Arbeitsschutz/Sicherheit
FĂŒhrungskultur - Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit
Vorschriften erlassen ist einfach. Verhalten Ă€ndern nicht. Genau da setzt Behavior Based Safety (BBS) an: Statt BeschĂ€ftigten Vorgaben »hineinzuquatschen«, wie es Christoph Bördlein von der TH WĂŒrzburg-Schweinfurt formuliert, arbeiten Teams gemeinsam heraus, warum unsicheres Verhalten ĂŒberhaupt entsteht. Wer weiĂ, dass er den Handlauf nutzen sollte, tut es trotzdem oft nicht. BBS macht daraus eine bewusste, selbst getroffene Entscheidung, die dann beobachtet und protokolliert wird.
Kern der Methode ist WertschĂ€tzung statt Kontrolle. Wird Vereinbartes eingehalten, gibt es Lob. Wird es nicht eingehalten, folgt ein lernorientierter Hinweis, keine Schuldzuweisung. FĂŒhrungskrĂ€fte tragen dabei eine besondere Verantwortung: Sie sollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen, unabhĂ€ngig davon, wer die Beobachtung konkret ĂŒbernimmt.
Nicht jeder Betrieb ist reif fĂŒr BBS. Vorausgesetzt wird ein bereits funktionierender, organisierter Arbeitsschutz nach dem TOP-Prinzip, eine offene Fehlerkultur und der RĂŒckhalt der GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Hans-Martin PrĂŒĂe von der DGUV sieht VerĂ€nderungsbereitschaft als wichtig an: BBS legt oft organisatorische Defizite offen, die dann tatsĂ€chlich bearbeitet werden mĂŒssen. Wer die PrĂ€ventionskultur im eigenen Betrieb vorab einschĂ€tzen will, findet dafĂŒr das Online-Tool »KulturCheck« der DGUV. Originalartikel: Dana Jansen, top eins vom 30.06.2026
Der vollstĂ€ndige Artikel enthĂ€lt zusĂ€tzlich die komplette Checkliste zur EignungsprĂŒfung sowie ein Interview mit Christoph Bördlein zu den verhaltenspsychologischen Grundlagen von BBS.
Wer unsicheres Verhalten mit Vorgaben bekÀmpft, hat schon verloren. Behavior Based Safety setzt stattdessen auf Lob, gemeinsame Analyse und die Kraft der eigenen Entscheidung.
» Weitere Informationen zu FĂŒhrungskultur - Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit
Aggressives Fahrverhalten bzw. wie man gelassener ans Ziel kommt
Wer auf der Autobahn drĂ€ngelt, knapp ĂŒberholt oder bewusst ausbremst, riskiert mehr als nur Ărger beim GegenĂŒber. Verkehrspsychologe Christian MĂŒller vom TĂV Nord beschreibt, wie aus kleinen Provokationen schnell eine gefĂ€hrliche Eskalationsspirale wird: Einer ĂŒberholt knapp und bremst aus, der andere fĂŒhlt sich provoziert und will »die Leviten lesen«. Schon lĂ€uft ein KrĂ€ftemessen, das selbst an Spurverengungen nicht endet. Manche geben dann erst recht Gas, nur um niemanden einfĂ€deln zu lassen.
Hinter solchem Verhalten steckt meist schlicht Stress. MĂŒller nennt schlechte Impulskontrolle als einen Faktor, daneben aber auch private und gesellschaftliche Belastungen, von Kriegsangst bis steigenden Lebenshaltungskosten. Diese Grundanspannung ĂŒbertrĂ€gt sich aufs Fahrverhalten. Kommt Zeitdruck hinzu, kippt Unaufmerksamkeit schnell in riskantes Fahren, und manche meinen es dabei gar nicht böse, sie reagieren einfach ĂŒber.
Was dabei auf dem Spiel steht, zeigen die Zahlen deutlich: 2024 verzeichnete die Statistik 19.460 UnfĂ€lle mit Personenschaden auf deutschen Autobahnen, 284 Menschen kamen dabei ums Leben. Zu geringer Abstand und unangepasste Geschwindigkeit bleiben die Hauptursachen. Bei UnfĂ€llen mit Todesfolge ist ĂŒberhöhte Geschwindigkeit in 43 Prozent der FĂ€lle beteiligt.
MĂŒllers Gegenmittel ist simpel: »sicheres Ankommen vor PĂŒnktlichkeit« als feste Grundhaltung schon vor der Fahrt. Realistische Pufferzeiten, ein frĂŒhzeitiger Anruf, wenn sich ein Termin verschiebt, und das Bewusstsein, dass andere Fehler meist ohne böse Absicht machen, das wirkt nachweislich entspannender als jedes Hupen. Sein Rechenbeispiel bringt es auf den Punkt: Auf 50 Kilometern Pendelstrecke bringt aggressives Fahren meist nur zwei bis drei Minuten Zeitgewinn. Wer nach der Baustelle noch zwei Wagen ĂŒberholt, hat also nicht wirklich gewonnen, höchstens an der nĂ€chsten Ampel ein paar Sekunden frĂŒher gestanden.
Auch Sicherheitsplakate entlang der Autobahnen sollen genau in solchen kritischen Momenten zum Nachdenken anregen, bevor aus Ărger Aggression wird. FĂŒr Unternehmen mit Fahrpersonal oder gröĂeren Fuhrparks liefert das ein handfestes Argument fĂŒr die Verkehrssicherheitsunterweisung: Nicht der Termin entscheidet ĂŒber sicheres Fahren, sondern die Haltung davor. Quelle: »Runter vom Gas« (BMV/DVR)
Ăberholen und ausbremsen, DrĂ€ngeln, Vollgas trotz Stau: Verkehrspsychologe Christian MĂŒller erklĂ€rt, wie aus kleinen Provokationen gefĂ€hrliche Eskalationen werden und was wirklich gegen Autobahnstress hilft.
» Weitere Informationen zu Aggressives Fahrverhalten bzw. wie man gelassener ans Ziel kommt
Wie sich schwere UnfÀlle bei der Instandhaltung vermeiden lassen
Wartung gilt oft als das Risiko schlechthin in der Instandhaltung. Die DGUV-Statistik 2023 zeigt aber ein anderes Bild: Wer eine Maschine instand setzt, wĂ€hrend sie lĂ€uft, geht ein deutlich gröĂeres Risiko ein als jeder, der sie plangemÀà wartet.
Andreas Köster, Fachreferent fĂŒr Maschinen- und Anlageninstandhaltung bei der BGHM, ordnet die Zahlen im Interview ein. Rund 30 Prozent aller InstandhaltungsunfĂ€lle entfallen auf die Störungsbehebung, mehr als auf jede andere TĂ€tigkeit.
Drei Faktoren kommen dabei zusammen. Erstens Zeitdruck: Eine Störung kostet Geld, und je lĂ€nger sie dauert, desto mehr. Zweitens muss die Maschine oft weiterlaufen, damit sich der Fehler ĂŒberhaupt eingrenzen lĂ€sst, und genau in diesen Momenten passieren die schwersten UnfĂ€lle. Drittens ist nicht immer qualifiziert, wer die Störung behebt. Verklemmte WerkstĂŒcke löst hĂ€ufig das Produktionspersonal selbst, einfach um schnell weiterarbeiten zu können.
Die BGHM setzt dem ihr Drei-V-Prinzip entgegen: Vorbeugen, Vorbereiten, Verbessern. RegelmĂ€Ăige Wartung verhindert einen Teil der Störungen von vornherein. Inspektionen decken Fehler frĂŒhzeitig auf, lange bevor daraus ein teurer Ungeplanter wird. Standardisierte AblĂ€ufe wie die 4-Rang-Methode oder klare Freigabeverfahren sorgen dafĂŒr, dass im Ernstfall nicht improvisiert werden muss. Wer den Ersatzteilwechsel vorher ĂŒbt, ist im echten Stressmoment schneller und sicherer zugleich.
Fazit: Nicht die Wartung zurĂŒckfahren, sondern die Störungsbehebung strukturieren, qualifizieren und aus jedem Vorfall lernen. Quelle: BGHM Magazin, Ausgabe 3/2026
Wenn die Maschine streikt, zÀhlt jede Minute. Genau das macht die Störungsbehebung zur gefÀhrlichsten Phase der Instandhaltung. BGHM-Fachreferent Andreas Köster erklÀrt, warum, und was Betriebe dagegen tun können.
» Weitere Informationen zu Wie sich schwere UnfÀlle bei der Instandhaltung vermeiden lassen
Sicherheit bei mobilen Abfallpressen
UnfĂ€lle an mobilen Abfallpressen sind selten. Wenn doch etwas passiert, sind die Folgen meist schwer. Quetsch- oder Schnittverletzungen gehören zu den typischen Risiken. »Die Technik ist deutlich sicherer geworden«, sagt Heinz-Peter Hennecke, PrĂŒfer fĂŒr Abfallpressen bei der DGUV. Entscheidend sei aber, wie die Presse betrieben wird, wie mit Störungen umgegangen wird und ob Reinigung und Wartung fachgerecht erfolgen.
Schon mit der Aufstellung werden die Weichen fĂŒr sicheres Arbeiten gestellt. Hof-, Lagerbereiche oder Rampen brauchen ausreichend Platz, gute Beleuchtung und frei zugĂ€ngliche Bedienelemente. Start, Stopp und Not-Halt mĂŒssen direkt an der Einwurfstelle erreichbar sein, unzulĂ€ssige Aufstiegsmöglichkeiten gehören beseitigt. Auch beim Aufstellen und Abholen selbst gibt es Gefahren, etwa durch Rangierbewegungen der Fahrzeuge. Wer den Standort vorab abstimmt, kann GefĂ€hrdungen frĂŒhzeitig erkennen.
Im laufenden Betrieb wird es kritisch, sobald Störungen wie Verstopfungen oder nicht nachrutschendes Material auftreten. Das sind Situationen, in denen BeschĂ€ftigte mitunter selbst eingreifen, nachdrĂŒcken oder versuchen, das Problem anderweitig eigenstĂ€ndig zu lösen. Das muss allerdings ausschlieĂlich fachkundigen Personen vorbehalten sein. Nicht eingewiesenes Personal hat an der Presse nichts zu suchen. LĂ€sst sich eine Störung nicht selbst beheben, mĂŒssen Entsorgungsunternehmen oder Hersteller einbezogen werden. Nach jedem Pressvorgang gilt zudem: vollstĂ€ndig ausschalten und gegen unbefugte Nutzung sichern.
Leicht ĂŒbersehen werden elektrische GefĂ€hrdungen. Mobile Pressen laufen ĂŒber Drehstrom, fehlerhafte Steckdosen, eine falsche Phasenfolge oder beschĂ€digte Leitungen können zu lebensgefĂ€hrlichen StromunfĂ€llen fĂŒhren. Hinzu kommt: Wer beim Abholen unter Zeitdruck steht, prĂŒft schnell nicht mehr systematisch, ob die Presse spannungsfrei ist, die AnschlĂŒsse in Ordnung sind und klar geregelt ist, wer die Anlage freigibt. Organisatorische LĂŒcken sind hier genauso sicherheitsrelevant wie technische.
FĂŒr die betriebliche Praxis lĂ€sst sich daraus eine Reihe konkreter PrĂŒfpunkte ableiten:
- Bietet der Aufstellort ausreichend Platz und ist er gut ausgeleuchtet?
- Sind Bedienelemente einschlieĂlich Not-Halt von der Einwurfstelle aus erreichbar?
- Sind ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr Reinigung und Störungsbeseitigung geregelt?
- Wird die Presse nach Nutzung ausgeschaltet und gesichert?
- Wird die Presse nur von unterwiesenem und geeignetem Personal genutzt?
- Sind AblÀufe bei Anlieferung und Abholung klar definiert?
- Werden hÀufige Störungen und Beinahe-UnfÀlle erfasst und ausgewertet?
Auch die Unterweisung sollte ĂŒber die reine Bedienung hinausgehen: Wer greift bei Störungen ein, wann sind interne, wann externe FachkrĂ€fte gefragt? Bei Sprachbarrieren mĂŒssen Anweisungen fĂŒr alle verstĂ€ndlich sein. »In unvorhergesehenen Situationen wird hĂ€ufig aus dem Reflex gehandelt«, so Hennecke. FĂ€llt zum Beispiel ein Handy in den Pressraum, muss von vornherein klar sein, wer informiert wird und wie vorzugehen ist. Quelle: Sirka Sander, Arbeit & Gesundheit vom 22.06.2026
Dort finden Sie auch die DGUV Information 214-087 »Mobile BehÀlterpresse« zum Download verlinkt.
Selten, aber heftig: UnfĂ€lle an mobilen Abfallpressen kommen kaum vor, doch wenn, dann meist mit schweren Folgen. Was bei Aufstellung, Betrieb und StörungsfĂ€llen ĂŒber die Sicherheit entscheidet.
» Weitere Informationen zu Sicherheit bei mobilen Abfallpressen
Gutes Sehen: Brille und Bildschirm richtig abstimmen
Verspannte Schultern, Nackenschmerzen, mĂŒde Augen am Ende des Arbeitstages: Oft liegt die Ursache nĂ€mlich gar nicht in der Bildschirmarbeit selbst, sondern darin, dass Arbeitsplatz und Brille nicht zueinander passen. Die BAuA hat dazu eine neue Handlungshilfe veröffentlicht, die dieses Zusammenspiel in drei klaren Schritten aufdröselt:
- Zuerst kommen die Grundlagen: Tisch, Stuhl, Tastatur und Maus ergonomisch einstellen.
- Dann, wenn nötig, die passende Brille fĂŒr die konkrete TĂ€tigkeit wĂ€hlen.
- Und erst im dritten Schritt wird der Bildschirm so positioniert, dass er zur Brille und zur Körperhaltung passt.
Diese Reihenfolge klingt simpel und bei Licht besehen auch ziemlich logisch. Dennoch wird das in der Praxis aber oft umgekehrt gemacht oder gar nicht eingehalten.
Die BroschĂŒre erklĂ€rt nebenbei auch die Grundlagen des Sehens, den Nutzen regelmĂ€Ăiger Sehtests und was Arbeitgeber leisten können und sollen. Sie richtet sich ausdrĂŒcklich an alle: BeschĂ€ftigte, FĂŒhrungskrĂ€fte und diejenigen, die ArbeitsplĂ€tze einrichten oder beraten. Quelle: Pressemitteilung der BAuA
Verspannte Schultern, mĂŒde Augen â oft liegt's nicht am Bildschirm, sondern daran, dass Arbeitsplatz und Brille nicht zusammenpassen. Die BAuA erklĂ€rt, wie man das in drei Schritten richtig macht.
» Weitere Informationen zu Gutes Sehen: Brille und Bildschirm richtig abstimmen
Manipulation von Schutzeinrichtungen verhindern
Eine Manipulation ist das Umgehen oder Unwirksammachen von Schutzeinrichtungen mit der Konsequenz, eine Maschine in einer vom Hersteller nicht vorgesehenen Weise oder ohne notwendige SchutzmaĂnahmen zu verwenden. Fachleute gehen davon aus, dass bei jedem vierten Arbeitsunfall an stationĂ€ren Maschinen eine Manipulation die Ursache ist. Unfalluntersuchungen der BGHM haben gezeigt, dass hĂ€ufig die Gefahren und Konsequenzen einer Manipulation unterschĂ€tzt wurden. Um BeschĂ€ftigten das durch Maschinenmanipulation entstehende Risiko bewusst zu machen, mĂŒssen sie die damit verbundenen GefĂ€hrdungen kennen und darin unterwiesen werden, wie sie sich bei der Arbeit sicherheitsbewusst und gesundheitsgerecht verhalten.
Hinweise zur sinnvollen Gestaltung von Unterweisungen enthĂ€lt die DGUV Information 210-007 »Unterweisungshilfe â Manipulation von Schutzeinrichtungen verhindern«.
Unterweisungen sollten beispielsweise regelmĂ€Ăig durchgefĂŒhrt werden, damit sie positiv zur Sicherheitskultur im Unternehmen beitragen. Neben der Erst- und Wiederholungsunterweisung sollte anlassbezogen unterwiesen werden. Unterweisen sollten die unmittelbaren Vorgesetzten. Diese sind jeweils in ihrem Verantwortungsbereich vor Ort und können im Nachgang das Verhalten der BeschĂ€ftigten beobachten und gegebenenfalls auf korrekte Umsetzung hinweisen. Auch Sicherheitsbeauftragte können Hinweise fĂŒr eine praxisgerechte Unterweisung liefern.
FĂŒr die inhaltliche Vorbereitung der Unterweisung sollte zunĂ€chst die Situation im eigenen Unternehmen ermittelt werden. DafĂŒr sollten Manipulationsanreize an Maschinen betrachtet, das Unfallgeschehen ausgewertet und GesprĂ€che mit Maschinenbedienerinnen und -bedienern sowie dem Einrichtungs- und Instandhaltungspersonal gefĂŒhrt werden. Schwerpunkte fĂŒr die Unterweisung von FĂŒhrungskrĂ€ften können beispielsweise sein, wie Meldesysteme fĂŒr Manipulation organisiert sind oder welche Kontrollpflichten sie haben. FĂŒr bedienendes Fachpersonal sind eher Informationen zu VorfĂ€llen aus der Praxis, richtigem Verhalten und Konsequenzen bei Manipulation relevant. Quelle: Pressemitteilung BGHM 20.04.2026 (geĂ€ndert)
Anmerkung Risolva:
Bitte beachten Sie: Jede FĂŒhrungskraft, die derartiges Fehlverhalten auch nur duldet, grĂ€bt an ihrer eigenen Rechtssicherheit. Machen Sie sich klar, dass Sie aufgrund Ihrer besonderen FĂŒrsorgepflicht (»Garantenstellung«) zum Handeln verpflichtet sind, um Schaden abzuwenden. Wenn Sie dies nicht tun, kann das strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Fachleute gehen davon aus, dass bei jedem vierten Arbeitsunfall an stationÀren Maschinen eine Manipulation die Ursache ist.
» Weitere Informationen zu Manipulation von Schutzeinrichtungen verhindern
Stolpern, Rutschen, StĂŒrzen â der unterschĂ€tzte Klassiker
Ein herumliegendes Kabel, eine ĂŒbersehene Stufe, Schnee vor dem Eingang â und schon passiert es. Stolper-, Rutsch- und SturzunfĂ€lle (SRS) klingen nach Alltag. Der macht allerdings auch vor dem beruflichen Umfeld nicht Halt. Laut DGUV-Statistik machten sie 2024 24,1 Prozent aller ArbeitsunfĂ€lle aus. Damit gehören sie zu den hĂ€ufigsten Unfallursachen â und zu den am meisten unterschĂ€tzten.
Unter dem Motto »Fall nicht hin, sondern auf!« möchte die Unfallkasse Baden-WĂŒrttemberg (UKBW) dafĂŒr sensibilisieren, dass Sicherheit oft bei den kleinsten Handgriffen beginnt. Im Artikel geht es im Wesentlichen um die folgenden Fragen:
1. Warum stĂŒrzen wir ĂŒberhaupt?
Die Ursachen lassen sich in drei Grundmuster einteilen: Stolpern, wenn der FuĂ an einem Hindernis hĂ€ngen bleibt; Ausrutschen, wenn die Haftung auf dem Untergrund verloren geht; und Fehltreten, etwa beim klassischen »Tritt ins Leere«, wenn eine Stufe ĂŒbersehen wird. Hinzu kommen menschliche Faktoren wie Hektik, Ablenkung und oftmals schlicht zu wenig Aufmerksamkeit.
2. Was können Betriebe tun?
Grundlage ist das TOP-Prinzip: Technische MaĂnahmen wie rutschhemmende BodenbelĂ€ge, ordentlich verlegte Kabel und gute Beleuchtung. Organisatorische MaĂnahmen wie ein verlĂ€sslicher Winterdienst, klare Betriebsanweisungen und regelmĂ€Ăige Unterweisungen. Und persönliche MaĂnahmen, wie die richtigen Schuhe sowie Ruhe und Gelassenheit.
Im Artikel gibt es zwei Kurzchecks zum Download: einen fĂŒr Treppen und einen fĂŒr Böden. Beide helfen dabei, Schwachstellen strukturiert zu identifizieren. Wer die körperliche Seite angehen möchte, findet in der UKBW-Fitnesskarte einfache Ăbungen fĂŒr StabilitĂ€t und Balance â nutzbar in der Pause oder zwischendurch.
SRS-UnfĂ€lle sind also kein unvermeidbares Ăbel. Mit einer GefĂ€hrdungsbeurteilung und den richtigen SchutzmaĂnahmen, ein bisschen Aufmerksamkeit und den richtigen Schuhen đlĂ€sst sich das Risiko deutlich senken.
Laut DGUV-Statistik machten Stolper-, Rutsch- und SturzunfĂ€lle 2024 24,1 Prozent aller ArbeitsunfĂ€lle aus. Damit gehören sie zu den hĂ€ufigsten Unfallursachen â und zu den am meisten unterschĂ€tzten.
» Weitere Informationen zu Stolpern, Rutschen, StĂŒrzen â der unterschĂ€tzte Klassiker
Heute schon geblinkt?
Wie oft vergessen wir das Blinken, weil wir in Gedanken schon am Ziel sind oder die Strecke auswendig kennen? Der BGHW-Artikel »Heute schon geblinkt?« erinnert uns daran, dass dieser kleine Hebel am Lenkrad eines unserer wichtigsten Werkzeuge ist, um sicher miteinander anzukommen. Blinken ist nĂ€mlich kein lĂ€stiges Extra, sondern ein Kommunikationsmittel, mit dem wir unser Verhalten fĂŒr andere transparent machen.
Besonders fĂŒr diejenigen, die ohne schĂŒtzendes Blech um sich herum unterwegs sind â also Menschen zu FuĂ oder auf dem Rad â ist diese Klarheit lebenswichtig. Sie haben oft nur Sekunden, um an einer Kreuzung einzuschĂ€tzen, was ein Auto als NĂ€chstes tut. Fehlt das Signal, entstehen schnell gefĂ€hrliche MissverstĂ€ndnisse und brenzlige Situationen.
Warum aber wird das Blinken so oft vernachlÀssigt? Meist steckt keine böse Absicht dahinter, sondern schlichte Routine auf bekannten Wegen oder die Eile. Manchmal denken wir auch »Hier ist doch gerade niemand« und vergessen dabei, dass sich jemand im toten Winkel oder hinter einem Hindernis befinden könnte. Das Problem ist oft, dass wir die reine Autoperspektive einnehmen, und nicht an andere Verkehrsteilnehmer denken.
Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Die StraĂenverkehrsordnung macht das Blinken beim Abbiegen, Spurwechsel oder Ausparken zur Pflicht. Wer darauf verzichtet, riskiert nicht nur ein BuĂgeld, sondern bei einem Unfall auch eine Teilschuld, da das fehlende Signal rechtlich als Mitursache gewertet werden kann.
Damit vor allem junge Menschen sicher durch den Verkehr kommen, unterstĂŒtzt die BGHW mit Programmen wie »Sicher in meiner Region« oder der Aktion »komm gut an«. Hier lernen Auszubildende, Gefahren besser einzuschĂ€tzen und ihre Aufmerksamkeit zu schĂ€rfen. Am Ende geht es darum, dass wir alle gesund ankommen â und dafĂŒr reicht oft schon ein kleiner Fingertipp.
Der BGHW-Artikel »Heute schon geblinkt?« erinnert uns daran, dass dieser kleine Hebel am Lenkrad eines unserer wichtigsten Werkzeuge ist, um sicher miteinander anzukommen.
» Weitere Informationen zu Heute schon geblinkt?
Sommerliche Themen âïžđđ
Wie jedes Jahr gibt es einige typische Sommerthemen, denen sich diverse BeitrÀge und Artikel widmen:
- Klimawandel trifft auf Arbeits- und Gesundheitsschutz
- Mit einem Hitzeschutzplan die BeschĂ€ftigten schĂŒtzen
- Aufgeheizte ArbeitsrÀume im Sommer: Diese Vorgaben gelten
- BeschĂ€ftigte vor Hitzeerschöpfung schĂŒtzen
- MaĂnahmen gegen Hitze im BĂŒro
- Hitze im StraĂenverkehr: Risiken vermeiden
- UV-Schutz wird noch zu selten systematisch betrieben
- Vor UV-Strahlung schĂŒtzen: Sonnenschutz richtig anwenden
- Mit der richtigen Sonnenbrille bei der Arbeit die Augen schĂŒtzen
- Durchblick bei Sonnenbrillen
- Pollenflug â wie Betroffene mit Heuschnupfen & Co. umgehen können
- Obst und GemĂŒse: der sommerliche Pausensnack
Wie jedes Jahr gibt es einige typische Sommerthemen, denen sich diverse BeitrÀge und Artikel widmen.
» Weitere Informationen zu Sommerliche Themen âïžđđ
HörgerĂ€te fĂŒr lĂ€rmbelastete ArbeitsplĂ€tze
Wer ein HörgerĂ€t trĂ€gt und in einem LĂ€rmbereich arbeitet, steckt in einem echten Dilemma. Gehörschutz muss sein. Und die Betonung liegt auf: muss. Denn die LĂ€rm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung schreibt Gehörschutz ab einem Tagesdurchschnitt von 85 dB(A) vor. FĂŒr Menschen mit Hörminderung greift die Pflicht sogar schon ab 80 dB(A). Gleichzeitig darf ein handelsĂŒbliches HörgerĂ€t nicht einfach unter einem Kapselgehörschutz getragen werden: Das GerĂ€t verstĂ€rkt weiter den Schall, was den Schutz untergrĂ€bt und im schlechtesten Fall selbst zu GehörschĂ€den fĂŒhrt.
Bislang lösten sogenannte Komplettsysteme dieses Problem. Sie verbinden HörgerĂ€t und Gehörschutz in einer zugelassenen Einheit. Die Auswahl war und bleibt jedoch begrenzt, da jede ProduktĂ€nderung eine vollstĂ€ndige Neuzertifizierung auslöst. Das IFA hat deshalb ein zweites Verfahren entwickelt: kombinierbare Hörsysteme, bei denen HörgerĂ€t und OhrpassstĂŒck getrennt geprĂŒft und zertifiziert werden. Hörakustiker können dann aus verschiedenen Kombinationen wĂ€hlen, individuell auf die Person und den Arbeitsplatz abgestimmt. FĂŒr Betriebe mit Ă€lter werdenden Belegschaften und zunehmendem FachkrĂ€ftemangel ist das keine Kleinigkeit: Es ermöglicht, qualifizierte Mitarbeitende mit HöreinschrĂ€nkung lĂ€nger arbeitsfĂ€hig zu halten.
Eine Ăbersicht zugelassener Produkte bietet das IFA auf seiner Website. Quelle: DGUV-Pressemitteilung vom 4.5.2026
HörgerĂ€te im LĂ€rmbereich: FĂŒr fast 1,2 Mio. hörbeeintrĂ€chtigte BerufstĂ€tige öffnet ein neues Zulassungsverfahren den Weg zu mehr Schutz und Kommunikation am Arbeitsplatz.
» Weitere Informationen zu HörgerĂ€te fĂŒr lĂ€rmbelastete ArbeitsplĂ€tze
Top Eins: Bei Alleinarbeit nicht auf sich gestellt
Alleinarbeit sicher gestalten
In produzierenden Unternehmen ist Alleinarbeit keine Ausnahme: Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten auĂerhalb der regulĂ€ren Schichtzeiten, KontrollgĂ€nge auf dem WerksgelĂ€nde, TĂ€tigkeiten in abgelegenen Anlagenteilen â all das sind typische Situationen, in denen BeschĂ€ftigte ohne direkte UnterstĂŒtzung oder Aufsicht tĂ€tig sind. Genau hier liegt das Risiko: Entscheidend ist die Erreichbarkeit im Notfall.
Was ist Alleinarbeit?
»Von Alleinarbeit spricht man, wenn BeschĂ€ftigte ihre TĂ€tigkeit ohne direkte UnterstĂŒtzung oder Aufsicht anderer Personen verrichten und keine unmittelbare Hilfe zu erwarten ist«, erlĂ€utert Jacqueline Kane, Stellvertretende SachÂgebietsleiterin fĂŒr Personen-Notsignal-Anlagen bei der BG BAU im Artikel bei Top Eins. Das gilt nicht nur auf weitlĂ€ufigen GelĂ€ndeabschnitten, sondern auch innerhalb von GebĂ€uden â etwa, wenn Personen auf verschiedenen Etagen oder in getrennten Bereichen tĂ€tig sind und sich gegenseitig nicht erreichen könnten.
Pflichten der FĂŒhrungskraft
GemÀà DGUV Vorschrift 1 »GrundsĂ€tze der PrĂ€vention« muss die FĂŒhrungskraft dafĂŒr sorgen, dass nach einem Unfall »unverzĂŒglich Erste Hilfe geleistet und eine erforderliche Ă€rztliche Versorgung« veranlasst wird. Die FĂŒrsorgepflicht bleibt auch dann bestehen, wenn Vorgesetzte selbst nicht vor Ort sind. Technische und organisatorische MaĂÂnahmen mĂŒssen sicherstellen, dass ein Notfall rechtzeitig bemerkt wird.
Technische MaĂnahmen
Als technische MaĂnahme wirksam ist der Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen nach DGUV Regel 112-139. Diese tragbaren GerĂ€te registrieren LageverĂ€nderungen oder Bewegungslosigkeit und lösen automatisch einen Alarm aus, wenn keine RĂŒckmeldung erfolgt. ErgĂ€nzend kommen GPS-Tracking, Funkmeldesysteme oder spezielle Notfall-Apps infrage â stets unter Beachtung des Datenschutzes.
Bei kritischer GefĂ€hrdung â etwa beim Absturz aus groĂer Höhe â steht die Alleinarbeit insgesamt infrage. In solchen FĂ€llen muss zwingend eine zweite Person vor Ort sein.
Checkliste: GefÀhrdung bei Alleinarbeit beurteilen
- Arbeitsorte, -zeiten und TĂ€tigkeiten klar dokumentieren
- Kommunikationsmöglichkeiten fĂŒr NotfĂ€lle (telefonisch, technisch oder persönlich) schaffen
- Verwendung einer Personen-Notsignal-Anlage prĂŒfen
- Organisatorische Kontrollmechanismen (KontrollgÀnge/Meldesysteme) festlegen
- Rettungskonzept erstellen, das ZustÀndigkeiten definiert
- BeschĂ€ftigte regelmĂ€Ăig unterweisen und in Erster Hilfe schulen
- Psychische Belastungsfaktoren bewerten und SchutzmaĂnahmen ableiten
Psychische Belastung nicht vergessen
Wer regelmĂ€Ăig allein arbeitet, erlebt soziale Isolation, kann Stresssymptome entwickeln oder reagiert in Notlagen zögerlicher. Auch dieser Aspekt muss in der GefĂ€hrdungsbeurteilung berĂŒcksichtigt und durch gezielte MaĂnahmen adressiert werden.
Sichere Alleinarbeit ist kein Zufall â sie erfordert eine systematische GefĂ€hrdungsbeurteilung, klare Regelungen und eine gelebte Sicherheitskultur. Wo BeschĂ€ftigte allein tĂ€tig sind, ersetzt gute Planung den unmittelbaren Beistand. Mehr Informationen sowie das Interview mit Frau Kane, finden Sie im Artikel von Mirko Heinemann bei Top Eins.
Wer allein arbeitet, ist im Notfall auf sich gestellt. Was FĂŒhrungskrĂ€fte jetzt regeln mĂŒssen und welche technischen Lösungen wirklich schĂŒtzen, beschreibt ein Top Eins-Artikel.
» Weitere Informationen zu Top Eins: Bei Alleinarbeit nicht auf sich gestellt
Bonus: Pflichtvorsorge ohne GefĂ€hrdungsbeurteilung? â Das sagt das Gericht
Was war passiert?
Ein Arbeitgeber forderte die Teilnahme eines Mitarbeitenden an einer Pflichtvorsorge, ohne dass eine GefĂ€hrdungsbeurteilung durchgefĂŒhrt oder dokumentiert worden war. Der Mitarbeitende verweigerte die Teilnahme, da fĂŒr ihn die Notwendigkeit nicht nachvollziehbar war.
Was hat das Gericht entschieden?
Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg urteilte am 4. Juni 2020 (Az. 10 Sa 2130/19): Ohne dokumentierte GefÀhrdungsbeurteilung besteht keine rechtliche Verpflichtung zur Teilnahme an einer Pflichtvorsorge. Der Arbeitgeber darf bei Weigerung weder arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen noch ein BeschÀftigungsverbot aussprechen.
Was bedeutet das fĂŒr die Praxis?
Eine Pflichtvorsorge ist nur dann verpflichtend, wenn ihre Notwendigkeit zuvor durch eine GefÀhrdungsbeurteilung nachgewiesen wurde. Ohne GefÀhrdungsbeurteilung fehlt die rechtliche Grundlage: Das bedeutet:
- Eine Teilnahme darf nicht eingefordert werden.
- Sanktionen wie Abmahnung oder Freistellung sind unzulÀssig.
Fazit:
Die GefĂ€hrdungsbeurteilung ist das rechtliche Fundament jeder arbeitsmedizinischen Vorsorge. Sie entscheidet darĂŒber, ob eine Pflichtvorsorge ĂŒberhaupt angeordnet werden darf.
Urteil: LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.06.2020 - 10 Sa 2130/19
Volltext abrufbar z.âŻB. unter: https://openjur.de/u/2269827.html
Unsere kleine Serie zur arbeitsmedizinischen Vorsorge:
Teil 1: Die drei Formen der arbeitsmedizinischen Vorsorge
Teil 2: Pflicht, Angebot oder Wunsch - was rechtlich gilt
Teil 3: Wer macht was? Rollen und ZustÀndigkeiten im Unternehmen
Teil 4: Mehrwert statt PflichtĂŒbung - wie AMV Wirkung entfalten kann
Teil 5 (FAQ): Die hÀufigsten Fragen zur AMV - kurz erklÀrt
Ein Urteil des LAG Berlin-Brandenburg zeigt, warum die Beurteilung nicht nur Pflicht, sondern Voraussetzung fĂŒr rechtssichere arbeitsmedizinische MaĂnahmen ist.
» Weitere Informationen zu Bonus: Pflichtvorsorge ohne GefĂ€hrdungsbeurteilung? â Das sagt das Gericht