Biostoffe bei der Arbeit richtig einschätzen
Biostoffe sind kein Randthema für Labore und Kliniken. Sie begegnen uns in der Produktion, im Handwerk, im Außeneinsatz. Eine systematische Gefährdungsbeurteilung ist der erste und entscheidende Schritt. Dr. Annette Kolk, Biologin und Leiterin des Referats Biostoffe am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), erklärt im Interview mit Dana Jansen bei Arbeit & Gesundheit, warum Biostoffe im Arbeitsschutz oft unterschätzt werden – und worauf es bei der Gefährdungsbeurteilung ankommt.
Was sind Biostoffe – und wo begegnen sie uns?
Laut Biostoffverordnung zählen dazu alle biologischen Arbeitsstoffe, die beim Menschen infektiös, toxisch oder sensibilisierend wirken können. Kurz: Sie können Krankheiten auslösen, Vergiftungen verursachen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Aufgenommen werden sie über die Atemluft, durch Verschlucken oder über Haut- und Schleimhautkontakt.
Und wo kommen sie vor? Eigentlich überall. In der Abfallwirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Tierhaltung, bei der Gebäudesanierung – aber auch in Kühlschmierstoffen, Fahrzeugwaschanlagen oder bei ganz normalen Reinigungstätigkeiten. Mehrere Tausend Arten sind bekannt.
Sind Biostoffe automatisch gefährlich?
Nein – und das ist ein wichtiger Punkt. Viele Mikroorganismen sind für den menschlichen Körper schlicht notwendig. Ob ein Biostoff tatsächlich zur Gefahr wird, hängt von Art und Menge ab sowie von den konkreten Bedingungen der Exposition. Ein geschwächtes Immunsystem oder ein »falscher« Aufnahmeweg können aus einem harmlosen Kontakt ein ernstes Problem machen.
Was bedeutet das für den Betrieb?
Ob und in welchem Umfang Beschäftigte Biostoffen ausgesetzt sind, muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden. Betriebe finden Unterstützung bei ihrer Berufsgenossenschaft, beim IFA sowie in der GESTIS Biostoffdatenbank – mit Informationen zu über 20.000 Biostoffen inklusive Schutzmaßnahmen und Risikogruppen.