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20.01.2026

Teil 4: Mehrwert statt Pflichtübung – wie AMV Wirkung entfalten kann

Teil 4: Mehrwert statt Pflichtübung – wie AMV Wirkung entfalten kann
www.istockphoto.com; Panuwat Dangsungnoen

Für viele klingt »arbeitsmedizinische Vorsorge« nach einem routinierten Termin ohne Mehrwert - besonders bei Bildschirmarbeitsplätzen oder langjähriger Tätigkeit. Doch richtig eingesetzt, kann die arbeitsmedizinische Vorsorge weit mehr leisten als das bloße Erfüllen gesetzlicher Vorgaben:

  • Frühzeitiges Erkennen von Belastungen (körperlich, psychisch, organisatorisch), um Ausfallzeiten vorzubeugen. In Zeiten des Fachkräftemangels ein absolutes Muss.
  • Vertrauensvolle Beratung ohne Ergebnisdruck und eben keine Kontrolle der Eignung.
  • Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung durch spezifische (aber nicht personenbezogene) Rückmeldungen und damit Verbesserung der Sicherheit.
  • Dialog auf Augenhöhe zwischen Beschäftigten, Betriebsarzt und Führungskraft.

Fallbeispiel: Bildschirmarbeit und die neue AMR 14.3

Viele Betriebe kennen die »G 37« oder eher: ihre Erinnerung daran. Doch die neue AMR 14.3 bringt frischen Wind in das Thema Vorsorge bei Bildschirmarbeit. Sie nimmt stärker in den Blick:

  • Individuelle Belastungsempfindungen (z. B. visuelle Ermüdung, Konzentrationsschwierigkeiten)
  • Psychische Aspekte (z. B. fehlende Bewegung, isoliertes Arbeiten)
  • Organisatorische Einflussfaktoren, die jenseits der reinen Bildschirmnutzung wirken
  • Ergonomie, Augenbelastung und Beanspruchung durch Monotonie

Praxis-Tipp: Nutzen Sie die neue Arbeitsmedizinische Regel als Anlass, Ihre Vorsorgeangebote bei Bildschirmarbeit zu überprüfen und sie ggf. neu zu kommunizieren. Wer diese Termine gut erklärt und Informationen zugänglich macht, kann Beschäftigte aktiv in die Gesundheitsvorsorge einbinden.

Was Unternehmen tun können:

  • Besser kommunizieren
    Statt »Sie haben das Recht, Wunschvorsorge in Anspruch zu nehmen« lieber: »In der arbeitsmedizinischen Vorsorge können Sie mit unserer Betriebsärztin vertraulich über Belastungen, Beschwerden oder Fragen zum Arbeitsplatz sprechen ganz unabhängig vom Anlass.«
     
  • Mehr als das Minimum ermöglichen
    Wunschvorsorge aktiv erwähnen und aufzeigen, dass Wunschvorsorge nicht nur bei »Rücken« geht, sondern zum Beispiel auch bei psychischen Belastungen. Nehmen Sie die Rückmeldung des Betriebsarztes ernst und als Anlass für Prävention oder für Verbesserungen zum Beispiel hinsichtlich der Ergonomie.
     
  • Führungskräfte als Multiplikator nutzen
    Gerade Führungskräfte prägen die Haltung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge im Team. Wenn diese die Wahrnehmung der Termine unterstützen, Nachfragen zulassen und im besten Fall sogar selbst als Vorbild voran gehen, entsteht ein Klima, in dem Mitarbeiter die Termine beim Betriebsarzt als Wertschätzung ihrer Person und als Chance für sich sehen.

Fazit & Abschluss der Serie

Arbeitsmedizinische Vorsorge ist kein Termin zur Erledigung, sondern eine Einladung zur Reflexion – über Gesundheit, Belastung und sinnvolle Unterstützung im Arbeitsalltag. Gut organisiert, verständlich kommuniziert und strategisch eingebettet, wird arbeitsmedizinische Vorsorge zum Hebel für Prävention und zur Stärkung der Unternehmenskultur.

Letzter Beitrag: Teil 3: Wer macht was? Rollen und Zuständigkeiten im Unternehmen

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