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15.09.2026

Aggressives Fahrverhalten bzw. wie man gelassener ans Ziel kommt

Aggressives Fahrverhalten bzw. wie man gelassener ans Ziel kommt
www.istockphoto.com; RealPeopleGroup

Wer auf der Autobahn drängelt, knapp überholt oder bewusst ausbremst, riskiert mehr als nur Ärger beim Gegenüber. Verkehrspsychologe Christian Müller vom TÜV Nord beschreibt, wie aus kleinen Provokationen schnell eine gefährliche Eskalationsspirale wird: Einer überholt knapp und bremst aus, der andere fühlt sich provoziert und will »die Leviten lesen«. Schon läuft ein Kräftemessen, das selbst an Spurverengungen nicht endet. Manche geben dann erst recht Gas, nur um niemanden einfädeln zu lassen.

Hinter solchem Verhalten steckt meist schlicht Stress. Müller nennt schlechte Impulskontrolle als einen Faktor, daneben aber auch private und gesellschaftliche Belastungen, von Kriegsangst bis steigenden Lebenshaltungskosten. Diese Grundanspannung überträgt sich aufs Fahrverhalten. Kommt Zeitdruck hinzu, kippt Unaufmerksamkeit schnell in riskantes Fahren, und manche meinen es dabei gar nicht böse, sie reagieren einfach über.

Was dabei auf dem Spiel steht, zeigen die Zahlen deutlich: 2024 verzeichnete die Statistik 19.460 Unfälle mit Personenschaden auf deutschen Autobahnen, 284 Menschen kamen dabei ums Leben. Zu geringer Abstand und unangepasste Geschwindigkeit bleiben die Hauptursachen. Bei Unfällen mit Todesfolge ist überhöhte Geschwindigkeit in 43 Prozent der Fälle beteiligt.

Müllers Gegenmittel ist simpel: »sicheres Ankommen vor Pünktlichkeit« als feste Grundhaltung schon vor der Fahrt. Realistische Pufferzeiten, ein frühzeitiger Anruf, wenn sich ein Termin verschiebt, und das Bewusstsein, dass andere Fehler meist ohne böse Absicht machen, das wirkt nachweislich entspannender als jedes Hupen. Sein Rechenbeispiel bringt es auf den Punkt: Auf 50 Kilometern Pendelstrecke bringt aggressives Fahren meist nur zwei bis drei Minuten Zeitgewinn. Wer nach der Baustelle noch zwei Wagen überholt, hat also nicht wirklich gewonnen, höchstens an der nächsten Ampel ein paar Sekunden früher gestanden.

Auch Sicherheitsplakate entlang der Autobahnen sollen genau in solchen kritischen Momenten zum Nachdenken anregen, bevor aus Ärger Aggression wird. Für Unternehmen mit Fahrpersonal oder größeren Fuhrparks liefert das ein handfestes Argument für die Verkehrssicherheitsunterweisung: Nicht der Termin entscheidet über sicheres Fahren, sondern die Haltung davor. Quelle: »Runter vom Gas« (BMV/DVR)